Ski & Snow

risk´n´fun FREERIDE – Trainingssession in Sölden

Als mir mein Skitour-Buddy erzählte, dass man bei Powderguide die dreistufige Ausbildung für risk’n’fun gewinnen konnte, habe ich nicht lange gezögert und mich beworben. Die Trainingssession in Sölden, das Next Level Camp und als Sahnehäubchen das Chill Out passten ziemlich gut in meine Planung für diesen Winter.

Unter anderem auch weil für die kommenden Monate ehrgeizige Projekte auf dem Programm stehen: Ich möchte anfangen, Hochtouren zu gehen sowie mich langsam an anspruchsvollere, alpinistischere Touren herantasten. Dazu war es mir sehr wichtig, mein Know-how über das sichere Verhalten im Gelände und Lawinen auf den neuesten Stand zu bringen. Die Trainingssession in Sölden war dafür der ideale Start.

Gruppe Freerider im Schneefall - Freeriden in Sölden
© Heli Düringer

Praktische Übung für den routinierten Umgang

Nun habe ich mich seit Winterbeginn schon sehr viel mit der Theorie auseinandergesetzt und diese auch schon versucht auf einigen Touren (Danke Petrus für diesen genialen Winterauftakt!) anzuwenden. Doch gerade praktische Übungen zum routinierten Umgang mit der LVS Ausrüstung und dem richtigen Verhalten im Notfall waren Inhalte, die noch fehlten und die ich mir von der Trainingssession erhoffte.

Also ging es top motiviert nach Sölden, wo am Samstagabend erst einmal Kennenlernen und eine kleine Einführung in die Thematik folgten.

Dabei wurde schnell klar, dass wir eine total durchgemischte Gruppe sein würden, manche Teilnehmer schon mit beachtlichem Wissen und Erfahrung, aber eben auch totale Neulinge auf dem Gebiet, jedoch alle mit relativ ähnlichen Erwartungen an das Camp: Wichtig war der Gruppe vor allem, den Umgang mit der Notfallausrüstung zu üben, den Ernstfall zu simulieren und natürlich sollten schlicht auch der Spaß und „Nice Powderlines“ nicht zu kurz kommen!

Wie unterschiedlich doch die Wahrnehmung ist?

Selfie der Freeride Gruppe - Freeriden in Sölden
© Heli Düringer

Der erste Tag auf dem Board stand dann ganz im Zeichen des Wahrnehmens. Dabei nahmen wir erst uns selbst, dann die Gruppe und schließlich auch unsere Umgebung, das Gelände, in den Fokus. Letzteres war bei der schlechten Sicht sowieso gar nicht mal so einfach. Erste Trainings mit der LVS-Ausrüstung wurden durch eine risk’n’fun-typische Softskill-Übung ergänzt. Hier wurden wir ziemlich überrascht, wie unterschiedlich unsere Wahrnehmung ist, obwohl wir ein und dasselbe sehen. Umso wichtiger ist deshalb die Kommunikation, um Missverständnisse in der Gruppe zu verhindern.

Abends stand dann die dazugehörige theoretische Session auf dem Programm, wobei es um die „Stop or go“ Methode des Österreichischen Alpenvereins ging. Diese wurde uns jedoch nicht als Frontalunterricht präsentiert, sondern wir mussten sie uns selbst aktiv erarbeiten und das wichtigste für uns herausfiltern, immer mit den Guides und Trainern zur Stelle, wenn Fragen aufkamen oder es Diskussionsbedarf gab.

Routine und Übung für einen kühlen Kopf

Am zweiten Tag übernahmen dann wir Teilnehmer als Zweierteams abwechselnd die Leitung der Gruppe, wieder unterstützt von Bergführer und Trainer. Das führte bei der mäßig guten Sicht und den noch nicht ganz ausgeprägten Ortskenntnissen schon zu ersten Unsicherheiten. Später am Tag kamen wir dann vollkommen unvorbereitet zu einer simulierten Mehrfachverschüttung, bei der die Guides nicht darauf verzichtet hatten, alle erdenklichen Schwierigkeiten und Fallen einzubauen.

Auf einmal wurde gefühlt alles in der Theorie Gelernte über den Haufen geworfen, und der Suchvorgang, der am Anfang noch ruhig und koordiniert ablief wurde mit voranschreitender Zeit immer chaotischer.

Verschüttetensuche - Freeriden in Sölden
© Heli Düringer

Dass der einzige Unverschüttete seinen Pieps noch immer auf Senden geschaltet hatte, fiel uns erst nach 10 Minuten auf, teilweise wurde bei einem Treffer mit dem Pieps gleich geschaufelt, ohne überhaupt zu sondieren und erst nach Beenden der Übung kam die Frage auf: „Hat überhaupt wer den Notruf gerufen?“ Das hat uns allen nochmal eindrucksvoll demonstriert, wie wichtig Routine und Übung sind, um im Ernstfall einen kühlen Kopf zu bewahren. Und auch, wie schnell Fehler passieren, die fatale Folgen haben können. Ich für meinen Teil war dann auch durchaus betroffen, dass die letzten zwei Verschütteten, die wir ausgegraben haben, in der Realität schon relativ geringe Überlebenschancen gehabt hätten.

Lernen aus Fehlern

In der Abendsession wurde die Verschüttetensuche noch einmal reflektiert und es wurde besprochen, was wir hätten besser machen können. Heli, einer unserer Bergführer, hat uns dann aber in unserem Gefühl, ziemlich versagt zu haben, aufgemuntert und betont, dass man eben genau aus diesen Fehlern lernt und es beim nächsten Mal definitiv besser machen wird. Danach galt es in Vierergruppen unsere eigenen Freeridestrategien auszuarbeiten, die dann am nächsten Tag zur Anwendung kommen sollten.

Lawinen sind eben doch nicht die einzigen Risiken, die der Berg so für uns bereit hält

Tiefschneeabfahrt - Freeriden in Sölden
© Heli Düringer

An Tag drei war die Freude am Morgen direkt riesig: Endlich Sonnenschein und wir konnten auch mal sehen, welche Hänge wir da bisher so gefahren waren und was es noch alles für Möglichkeiten gab. Perfekt für den Tag der Entscheidungen. Die Strategien vom Vortag wurden also umgesetzt und auf ihre Alltagstauglichkeit geprüft. Beim Lagecheck im Lift hat sich auch schnell gezeigt, dass von den letzten Tagen tatsächlich sehr viel hängen geblieben ist: Die Windzeichen, die am ersten Tag noch für große Verwirrung gesorgt hatten und wo die Deutung doch eher einem fröhlichen Ratespiel galt, konnten wir mittlerweile zuverlässig lesen. Und auch der Scan nach Gefahrenzeichen sowie günstigen Faktoren ging schnell und präzise.

Der erste Überblick war also geschaffen, die Gebiete, in die wir uns begeben wollten, ausgewählt und die erste Line schon von unten bewertet: Vorherrschende Lawinenwarnstufe, kombiniert mit geschätzter Hangneigung, Geltungsbereich und Alarmzeichen haben uns zu der Entscheidung gebracht: Machbar. Gesagt, getan. Und dann, vor lauter Endorphinüberschuss, habe ich mir bei einer verkorksten Landung das Knie so verdreht, dass ich nicht weiterfahren konnte. Somit war mein Tag leider schneller beendet, als ich POWDER sagen konnte. Lawinen sind eben doch nicht die einzigen Risiken, die der Berg so für uns bereit hält.

Anderes Lernen bei risk´n´fun

Snowboarderin Turn - Freeriden in Sölden
© Heli Düringer

Alles in Allem waren die 5 Tage der Trainingssession in Sölden wahnsinnig lehrreich, und haben meine bzw die Erwartungen der Gruppe nochmal übertroffen. Der didaktische Ansatz von risk’n’fun, bei dem sich die Teilnehmer ihr Wissen und ihre Erfahrung selbst aneignen, hat absolut überzeugt, da so einfach viel mehr hängen bleibt. Und durch die Übungen zu den Softskills haben wir alle auch nochmal etwas über uns selbst dazugelernt. Dieser Faktor wird bei der ganzen Sicherheits- und Lawinenthematik einfach viel zu oft übergangen. Meiner Meinung nach ist es wahnsinnig wichtig zu wissen, welche Faktoren einen bei dem Treffen einer Entscheidung beeinflussen, gerade auch wenn dies in der Gruppe passiert.

Gruppenfoto Freerider - Freeriden in Sölden
© Heli Düringer

Eine Hammer gute Zeit mit einer genialen Gruppe

Neben all dem Gelernten und all den neuen Eindrücken war es aber auch einfach eine Hammer gute Zeit mit einer genialen Gruppe. Danke an unsere Guides Heli und Lisa, die uns in jeder Situation mit Rat und Tat zur Seite gestanden sind, sowie an Herbi und Berni.

Nicht zu vergessen natürlich auch die anderen Teilnehmer und besonders meine Girlspower-Fraktion Babs und Tatjana, ohne die das Ganze nur halb so viel Spaß gemacht hätte. Ich freue mich schon, das Gelernte im Gelände umzusetzen!

Info

  • Mehr über die risk´n´fun ALPINE PROFESSIONALS erfährst du HIER auf der offiziellen Website
  • Anfang April kehren die Freeride-Profis von risk´n´fun für den Level 4 Kurs zurück ins hintere Ötztal. Infos zu diesem Kurs findest du HIER – derzeit sind noch Plätze frei!
  • Wer mehr über powderguide.com wissen will, klickt HIER

(Titelbild: © Heli Düringer)

Gastautorin Lisa Hempfer

Ich bin Lisa, 22 Jahre alt und wohne und studiere in München. Nachdem ich das letzte Jahr in Chile gelebt habe und dort mal die Möglichkeiten des Backcountries ausgecheckt habe, freue ich mich diesen Winter wieder zurück in den geliebten Alpen zu sein und so viel Zeit wie möglich am Berg beim Snowboarden und Skitouren gehen zu verbringen.

 

Gastautorin Lisa Hempfer - Freeriden in Sölden
© Lisa Hempfer

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