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Mythos Weltcup-Auftakt Sölden

Seit der Saison 2000/2001 findet der Skiweltcup Auftakt der Damen und Herren traditionell am Rettenbachferner in Sölden statt. Jährlich zieht der Startschuss zum alpinen Weltcupwinter tausende Besucher in seinen Bann.

Aber was machen die Riesentorlauf-Rennen am Gletscher hoch über Sölden so legendär? Wir sind dem Mythos Weltcupauftakt auf den Grund gegangen und lassen als Einstimmung auf die diesjährigen Rennen besondere Momente wieder aufleben.

Legendärer Hang

Na klar, ohne Strecke keine Rennen! Der Weltcuphang ist insgeheim der Hauptdarsteller des Auftakt-Wochenendes. Dabei zeigt der Hang alljährlich ein anderes Gesicht. Aufgrund der Tatsache, dass sich unterhalb der Strecke Gletschereis befindet, verändert sich der Hang stetig. Dies führt dazu, dass der Hang besonders im unteren Bereich von Jahr zu Jahr etwas steiler wird – als wäre eine maximale Neigung von 65% noch nicht genug!

Der Weltcupauftakt ist neben dem Finale das einzige Rennen im Kalender, bei welchem sowohl Herren als auch Damen auf demselben Hang fahren. Hört man sich im Lager der Rennläuferinnen um, so wird das Rennen in Sölden nach wie vor als das schwierigste der Saison beschrieben – und das noch dazu zum Auftakt! Auch von den Herren wird der Hang als äußerst anspruchsvoll und tückisch beschrieben.

Weltcup Auftakt Sölden - Sölden, Tirol
Eine verdammt lange Schlüsselstelle: Der Steilhang © Markus Geisler / Bergbahnen Sölden

Als Schlüsselstelle gilt dabei der steile und sehr lange Steilhang. Die Devise für eine perfekte Fahrt lautet kurz zusammengefasst: Im oberen flachen Bereich in den Rhythmus kommen, bevor es im Steilhang gilt, die Linie zu halten und möglichst aktiv zu fahren, um dann die Geschwindigkeit mit ins Ziel zu nehmen.

Ski Weltcup Auftakt Sölden - Sölden, Tirol
Drückte den Rennen in Sölden ihren Stempel auf: Tina Maze © GEPA pictures / Ötztal Tourismus

Legendäre SiegerInnen

Im Jahr 2002 gab es am Rettenbachferner eine Premiere im alpinen Skiweltcup: Durch die Norwegerin Andrine Flemmen, die Österreicherin Nicole Hosp und die Slowenin Tina Maze gab es erstmals drei zeitgleiche Siegerinnen in einem Welcuprennen. Tina Maze zählt mit drei Siegen neben Ted Ligety (4x) auch zu den Rekordsiegerinnen in Sölden.

Dabei nimmt die Siegesfahrt von Ted Ligety aus dem Jahre 2012 einen besonderen Platz in der Historie der Sölden Rennen ein. Vor der Saison 2012 wurden die Materialvorgaben seitens des internationalen Skiverbandes  geändert, um die Verletzungsflut im alpinen Weltcup zu stoppen. Dies führte dazu, dass die Skier von nun an länger und schmäler wurden und sich entsprechend der Kurvenradius erhöhte.

Die Anspannung und Ungewissheit vor dem 1. Saisonrennen in Sölden war bei den Teams also entsprechend groß, da niemand wusste, wer mit dem neuen Material wohl am besten zurecht kommen würde. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, denn der US-Amerikaner Ted Ligety zauberte mit neuem Material und einer eigenen Technik eine Fabelzeit in den Schnee und ließ den Rest des Feldes mit Respektabstand hinter sich.

Ted Ligety - Ski Weltcup Auftakt Sölden
Der Rekordhalter mit (derzeit) 4 Siegen: Ted Ligety © Erich Spiess / Ötztal Tourismus
Auch der Österreicherin Anita Wachter gelang ein ähnliches Kunststück. Beim Rennen im Jahre 1993 hatte sie einen Vorsprung von 2,63 Sekunden vor der Zweitplatzierten – heute noch Rekord in Sölden! Aus heimischer Sicht bleibt auch der österreichische 3-fach Triumph aus dem Jahre 1998 in Erinnerung: Damals gewann Hermann Maier vor Stefan Eberharter und Heinz Schilchegger.

Legendärer Abflug

Ski Weltcup Auftakt Sölden
Was Erik Schlopy wohl in diesem Moment durch den Kopf ging? Gut zu sehen ist der bereits abgebrochene Ski! © Ernst Lorenzi

Eingefleischten Fans der Weltcuprennen in Sölden ist wohl noch der Name Erik Schlopy ein Begriff. Der US-Amerikaner legte Ender der Neunzigerjahre wohl einen der spektakulärsten Abflüge in der Gesichte dieses Rennens hin. Genau bei der Einfahrt zum Steilhang brach ihm ein Ski, ohne dass er es in diesem Moment wahrgenommen hatte.

Das Ergebnis war ein Abflug an der wohl ungünstigsten Stelle der gesamten Strecke – schließlich flog und rutsche er den halben Steilhang hinunter, bevor er unverletzt mit dem übrig gebliebenen Ski noch ins Zielgelände wedelte.

Legendäre Fans

Seit Beginn der Weltcupgeschichte am Rettenbachferner tragen die Zuschauer und Fanclubs wesentlich zur einzigarten Stimmung des Weltcup Auftakt Wochenendes bei. Sowohl die optischen als auch akustischen Einlagen der Fans im Zielgelände treiben die Fahrer zu Höchstleistungen an – die Kuhglocken und Schellen der Fans sind nämlich bis zum Starthaus hinauf zu hören. Und die Athleten honorieren diese Begeisterung, wenn sie im Ziel direkt Richtung der eigenen Anhänger abschwingen und ihren Emotionen freien Lauf lassen.

Als ein echter Publikumsmagnet hat sich dabei die Fanclub Parade herausgestellt, welche im Zuge des Rennwochenendes alljährlich durch Sölden führt. Von oben bis unten kostümiert ziehen alle Fanclubs gemeinsam durch das Dorf Richtung Postplatz, um den Auftakt in die neue Weltcup Saison gebührend zu feiern. Ob bayrische Blasmusik, Schweizer Kuhglocken oder französische Chansons – Hauptsache laut, amüsant und farbenfroh!

Skiweltcup Auftakt Sölden
Sorgen alljährlich für beste Stimmung: Die Fans im Zielbereich © Markus Geisler / Bergbahnen Sölden
Ski Weltcup Auftakt Sölden
Blick aus dem Starthaus © Ernst Lorenzi

Legendäre Anspannung

Egal ob Athlet, Betreuerstab, Ausrüster oder Fan: Nach der Sommerpause fiebern alle dem 1. Rennen der neuen Saison entgegen und möchten sich so gut wie möglich präsentieren! Die Athleten und Betreuer fragen sich, wo sie im Vergleich zu den anderen Nationen stehen.

Ausrüster hoffen, dass ihre Schützlinge einen der vorderen Plätze belegen. Die Fanclubs möchten noch eine kleine Schippe auf die letztjährige Choreographie drauflegen. Oder anders ausgedrückt: Alle Involvierten sitzen extrem auf Nadeln und das Kribbeln sowie die Vorfreude ist spürbar.

Legendäre Vorbereitungen

Auch die Verantwortlichen des Organisationsteams sitzen alljährlich auf Nadeln – schließlich hängt von ihnen ab, ob das Rennen durchgeführt werden kann oder nicht. Dabei beginnen die Vorbereitungsarbeiten für das Auftakt-Wochenende im Oktober bereits im Frühjahr, wenn nämlich Schneedepots angelegt und Teile der Strecke mit Vlies abgedeckt werden. Eine durchgehend 30 Zentimeter dicke Schneeschicht ist Voraussetzung, dass die Torstangen überhaupt im Boden versenkt werden können.

Dass neben warmen Temperaturen auch zu viel Schnee ein Problem darstellen kann, mussten die Organisatoren im Jahre 2014 erleben, als es am Donnerstag in der Rennwoche im Ziel 80 Zentimeter, am Start über 1 Meter schneite. Obwohl der gesamte Weltcup-Tross schon mit einer Absage der Rennen rechnete, konnte das Organisationsteam mit einer Herkulesleistung die Piste rennfertig machen und somit den Weltcup Auftakt retten.

Ski Weltcup Auftakt Sölden
Das Pistenteam bei der Arbeit mit dem Sprühbalken © Ernst Lorenzi

Die diesjährigen Vorbereitungsarbeiten verlaufen planmäßig. Mitte September wurde damit gestartet, das Vlies zu entfernen sowie die Schneedepots auf dem gesamten Hang zu verteilen. Zeitgleich beginnt der Aufbau der Schneekanonen und sofern es die Temperaturen zulassen, wird bereits mit der Schneeproduktion losgelegt. 10 bis 14 Tage vor dem Event wird damit begonnen, die Fangzäune und Absperrgitter aufzustellen sowie die Kabel für die TV-Übertragung zu verlegen. In der Weltcupwoche selbst wird der Hang vom Internationalen Skiverband gesperrt, damit die letzten Arbeiten an der Piste durchgeführt werden können.

Der Weltcup-Auftakt kann also kommen – Sölden ist gewappnet und fiebert dem 26. bis 28. Oktober entgegen, um den inoffiziellen Start in die Wintersaison gebührend zu feiern!

(Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oktober 2016 und wurde aktualisiert)

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Autor Benni

Sobald Bewegung im Spiel ist, wird Benni hellhörig! Als begeisterter Snowboarder, Biker, Kletterer & Wanderer gibt es für ihn keinen besseren Outdoor-Spielplatz als das Ötztal. Still sitzen können andere besser, deshalb ist Benni viel auf den Trails und unverspurten Hängen des Tals unterwegs.

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