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Wo ein Wille, da ein Trail

Trailworkshop in Sölden

Das Hoheitsgebiet wächst! Um das Verkehrsnetz weiter auszubauen motiviert ein Trailworkshop Bike Fans aus aller Welt. Nicht nur die Namen der außergewöhnlichen Bike Trails in Sölden, sondern auch deren Bauweise, ist eine Kunst für sich. Wie jedes Jahr soll auch 2016 das Verkehrsnetz im Hoheitsgebiet wieder wachsen.

Damit der Umgang mit Neigungsmesser, Schaufel und Co. nicht nach hinten losgeht, veranstalten die Erbauer dieses Jahr einen Trailworkshop, der einem ca. 40-köpfigen Arbeitstrupp die Geheimnisse des Trailbaus näher bringen soll. Wir haben den Trailworkshop in Sölden besucht und die arbeitswütigen Teilnehmer einen Tag lang bei ihrer Arbeit auf dem Gelände begleitet.

Sölden. Kurz vor 08:00 Uhr morgens

Der Trailworkshop steht in den Startlöchern und schnell wird klar, welche Dimensionen er annehmen wird. Der Seminarraum bietet kaum ausreichend Platz für die rund 40 freiwilligen Helfer, die aus ganz unterschiedlichen Gründen an diesem Workshop teilnehmen.

Spaß, Neugier oder einfach genügend Zeit und Lust, der Republik zu einem großen Sprung nach vorne zu verhelfen. Unter den angehenden Trailbauern finden sich viele, die mit der Thematik bis dato noch nie in Berührung kamen.

Seminar

Volunteers welcome – Open Borders für Jedermann

Neben dem Ötztaler Dialekt hallt aus der rechten Ecke markantes Schweizerdeutsch und am Ende des Raumes ist ebenfalls englische und deutsche Sprache zu hören.

Teilnehmer aus Deutschland, Kanada aber auch aus Ghana sitzen zusammen und lauschen den weisen Worten des Trailmeisters Joscha Forstreuter, Architekt der beiden Extremstrecken Teäre und Zaahe und einer der vortragenden Kursleiter.

Zu Beginn des Workshops werden grundlegende Begriffe geklärt, sodass im Laufe des Tages jeder die selbe Sprache spricht und die Verständigung auf den Baustellen reibungslos verläuft.

 Zudem gilt es folgende Fragen zu beantworten:

  • Was wünschen sich die Biker?
  • Was sind die Kriterien für einen schwierigen Trail?
  • Was gilt es beim Umgang mit den Werkzeugen, Baggern und Maschinen zu beachten?

Ein Herz für Mutter Natur

Doch eines der wichtigsten Dinge, sowohl für Architekt, als auch Biker ist die Natur. Die Strecken sollen so nachhaltig und ökologisch effizient geplant und erbaut werden wie möglich. Denn die Umweltschutzauflagen in diesem Bereich sind streng.

Deshalb lautet das Credo in der Bike Republic „der Trail soll so breit wie nötig und so schmal wie möglich gebaut werden.“

Wie das in der Praxis aussieht, davon können wir uns im Anschluss an den Workshop im Gelände überzeugen. Zusammen mit Claude, einem der Verantwortlichen für den Trailbau, geht es mit dem Land Rover Defender auf der Gletscherstraße Richtung Hochsölden, bevor wir abrupt auf eine schmälere Schotterstraße abzweigen.

Diese führt uns zu einem Streckenabschnitt des „Plödern Trails“, an welchem Claude und sein Team heute arbeiten.

Trailworkshop Sölden Tirol

Der Teufel steckt im Detail

Zeitgleich erscheinen bereits die ersten Shaper, bewaffnet mit Schaufeln und Pickeln. Unter der Anleitung von Chris Bernard arbeiten mehrere Teams an unterschiedlichen Streckenabschnitten. Sofort wird klar, wie viel Schweiß und Herzblut die Trailbauer an den Tag legen – denn der Teufel steckt im Detail!

So werden zum Beispiel abgebrochene Äste und weiteres Material aus dem Wald auf bearbeiteten Böschungen platziert, um die Strecke so natürlich wie möglich wirken zu lassen. Ausgeschnittene Grasschnitzel werden an die Kurvenaußenseiten gelegt, damit diese wieder schön zusammenwachsen können.

Diese Arbeit erinnert uns teilweise mehr an die Aufgaben eines Landschaftsgärtners, als an die Knochenarbeit eines Bauarbeiters. Auch die Entwässerung des Trails ist ein wichtiges Thema. So werden etwa vor Kurven Drainagen oder leichte Hügel gebaut, damit das Wasser entsprechend abfließen kann.

Das Credo hierbei lautet: Wasser darf nie länger als fünf Minuten den Trail hinunterfließen.

Bagger

Die Kurven bzw. der Trail selbst müssen gefestigt und verdichtet werden.

Das passiert einerseits von Hand mithilfe von sogenannten Wegeerhaltungswerkzeugen, aber auch mit altbekannten Stampfmaschinen.

Generell, erklärt Claude, sind die Kurven und speziell Anliegerkurven (Anmerkung der Red.: Anliegerkurven sind Kurven mit einer Neigung, vergleichbar mit der einer Bobbahn. Für die Fahrer halten diese ein besonderes G-Kraft Erlebnis bereit ) vor allem im letzten Drittel einer großen Belastung ausgesetzt.

Dies gelingt den Architekten, indem sie an neuralgischen Stellen des Trails große Steine vertikal im Boden vergraben. So hält die Kurve der enormen Beanspruchung und hohen Anzahl an Fahrten stand.

Bei Anliegerkurven ist es zudem wichtig, die Ankersteine an den Außenseiten zu befestigen – teilweise gleicht dies einem Puzzlespiel, bis es endlich gelingt, den richtigen Stein an der richtigen Stelle zu platzieren.

Die Geheimnisse der Architekten

In den noch kälteren Monaten bereitet den Teams aber vor allem die Witterung Kopfzerbrechen. Eine dicke Schneedecke auf Höhe der Gaislachkogel-Mittelstation behindert die weiteren Arbeiten an der neuen Flow-Trail. Doch Trail Architekten besitzen für jedes Problem die richtige Lösung.

Das Mittel gegen Schnee? Asche!

Die Schneeoberfläche wird mit Asche bedeckt, um die Schneeschmelze zu beschleunigen. Solche Tricks lernt ein Trailbauer wohl nicht auf der Workshop Schulbank, sondern nur in der Praxis.

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Benni

Autor Benni

Sobald Bewegung im Spiel ist, wird Benni hellhörig! Als begeisterter Snowboarder, Biker, Kletterer & Wanderer gibt es für ihn keinen besseren Outdoor-Spielplatz als das Ötztal. Still sitzen können andere besser, deshalb ist Benni viel auf den Trails und unverspurten Hängen des Tals unterwegs.

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